Mistelpflanze
Die weißbeerige Mistel (Viscum album L.) blüht und entwickelt ihre reifen, weißen Früchte im Winter. Sie lebt von den Säften ihres Wirtsbaumes, bei dem es sich z. B. um einen Apfelbaum, eine Weißtanne oder eine Kiefer handeln kann. Wir entdecken sie am ehesten im Winter, wenn die Laubbäume kahl sind und die grünen, runden Mistel-Büsche gut sichtbar werden. Die Beeren der Mistel enthalten den Keimling, umgeben von einem Schleimmantel. Wird die Beere von einem Vogel gefressen und der Keimling auf einem Ast abgeschieden, haftet er mit Hilfe des enthaltenen Leimes und kann nun auskeimen und in die Rinde des Astes einwachsen. Früher wurde die Mistel zur Behandlung von Milzerkrankungen und Menstruationsbeschwerden verwendet sowie peroral (bezeichnet den Aufnahmeweg von Arzneimitteln durch den Mund) als Standtherapie gegen Epilepsie (wiederholt spontan auftretende Krampfanfälle) verabreicht. Später wurde die Bedeutung der Mistel für weitere Anwendungsgebiete erkannt und hierfür Präparationen aus Winter- und Sommerextrakten und speziell aus den schleim- und leimhaltigen Mistelfrüchten verwendet.
Inhaltsstoffe
Vor allem bestimmte Schleim- (Polysaccharide) und Eiweißstoffe (Mistellektine und Viscotoxine), aber auch Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe) und Bestandteile des Mistelleimes (Triterpenoide) sind für die Therapie mit Mistelextrakten von Bedeutung.
Herstellung des Mistelgesamtextraktes
Die Mistelernte erfolgt bei den anthroposophischen Präparaten mehrmals jährlich. Die Sommer- und Winterextrakte werden in einem speziellen maschinellen Verfahren separat für jeden Wirtsbaum zum Gesamtextrakt vermischt. Der den europäischen Richtlinien folgende Herstellungsprozess wird durch strenge Qualitätskontrollen begleitet und liefert einen reinen Mistelgesamtextrakt in gleichbleibender Qualität.
Praxis der Misteltherapie
Die Misteltherapie mit Gesamtextrakten wird durch den behandelnden Arzt in Dosierung und Intensität auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Patienten angepasst, was z. B. eine identische Standarddosierung für jeden Patienten unabhängig von der Art und Schwere seiner Erkrankung ausschließt. Zusätzlich wird die Wahl des Wirtsbaumes vom Arzt individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt.
Der behandelnde Arzt beginnt in der Regel mit einer niedrigen Dosis und steigert diese im Verlauf der sogenannten Einleitungstherapie schrittweise bis auf die höheren Dosen der Erhaltungstherapie. Eine begrenzte lokale Hautreaktion an der Einspritzstelle oder ein Temperaturanstieg sind Ausdruck einer erwünschten Stimulation von Immunzellen der Haut und keineswegs – wie oft fälschlich angenommen - eine allergische Reaktion.
Das Arzneimittel wird mit einer dünnen Nadel unter die Haut (= subkutan) gespritzt, bevorzugt in die Bauchdecke oder Oberschenkel und an wechselnden Injektionsorten. Bestrahlte beziehungsweise entzündete Areale sind dabei zu meiden. Die Injektionen selbst können in der Regel von den Patienten oder deren Angehörigen nach kurzer Anleitung selbst durchgeführt werden.

